Pedroza Potemkin

Eduardo Pedroza und Potemkin nach dem Sieg im
25. Preis der Deutschen Einheit 2015
(www.galoppfoto.de)

Der Preis der Einheit – Aus Freude über die Wiedervereinigung

Noch heute spricht man im Galopprennsport mit Hochachtung von dem großen alten Herrn. Es war im Frühjahr des Jahres 1991, als der hocherfolgreiche und stets megaentspannt auftretende Unternehmer Zino Davidoff mit seiner Ankündigung eines neuen, bezüglich des Rennpreises alles bisherige im Lande übertreffenden Rennens für Furore sorgte. 520.000 D-Mark machte der „Zigarrenkönig“ locker. Die Rennbahn: Hoppegarten. Der Termin: 3. Oktober, der Tag der Deutschen Einheit. Das Motiv: „Aus Freude über die deutsche Wiedervereinigung.“ Drei Jahre währte das Sponsoring der Zigarren-Ikone. Wer ihn erlebte, vergisst ihn nie. 1994 starb der 88-Jährige großzügige, patriotische Mäzen, aber das Rennen blieb. Es erfreute sich unter wechselndem Patronat und bei verändertem Rennpreis Jahr für Jahr großer Beliebtheit. Man kann längst von einem „Kult-Renntag“ sprechen. „Ein Rennfest vom Feinsten,“ ein würdiges rennsportliches Ereignis in Berlin, wo sich durch den Fall der Mauer ganz besonders deutsch-deutsche Geschichte vollzogen hat.

Wenn nun am 3. Oktober 2016 der Preis der Deutschen Einheit zum 26. Male entschieden wird, gehen unwillkürlich die Gedanken an die 25 Sieger und ihre Geschichte zurück.

Der erste Sieger des Prix Zino Davidoff kam 1991 aus dem Galopp-Imperium von Sheikh Mohammed. Da hatte der von John Oxx in Irland trainierte dreijährige GEORGE AUGUSTUS die Konkurrenz klar im Griff, von der PRUDEND MANNER und BIN SHADDAD am weitesten kamen. Im Sattel saß der Weltklasse Jockey Johnny Murtagh.

Auch die zweite Auflage des neu geschaffenen Rennens ging 1992 ins Ausland. Diesmal kam der Sieger aus dem Newmarket-Quartier von Henri Cecil. Unter Willi Ryan verwies Lord Howard De Waldens PERPENDICULAR die gute Stute ARASTOU und den späteren Brümmerhof-Deckhengst GOOFALIK auf die Plätze. Der Sieger wurde ebenfalls als Deckhengst aufgestellt.

1998 war das Jahr von ELLE DANZIG, der Klassestute des Gestüts Wittekindshof unter der Regie von Andreas Schütz. Andrasch Starke und die Braune hatten mit SAMBAKÖNIG und SACHSENKING sowie den anderen keine Probleme. Die bekam jedoch vor allem Stargast Verona Feldbusch, eingeladen zur Übergabe der Ehrenpreise, aber mit unpassendem Schuhwerk und entsprechender Garderobe. Denn dieser 3. Oktober 1998 war der kälteste der letzten 100 Jahre in Brandenburg, Dauerregen bei plus drei Grad, das war nur etwas für die ganz Harten. Die heutige Frau Verona Pooth konnte in ihren dünnen Lackstiefeln und leichter Bekleidung nicht so schnell zittern wie sie fror. Das Geläuf erreichte sie allerdings in schnell besorgten Jockeystiefeln und auf dem Podest folgte eine kesse Bemerkung über den frisch getrennten Partner Dieter Bohlen. Viele TV-Sender haben das später ausgestrahlt.

Einen besonderen Platz in der Chronik erhält zweifellos die 15. Auflage. Denn der im Gestüt Etzean für Rolf Brunner aufgezogene Gewinner MANDURO, geritten von Terry Hellier, ist das mit Abstand beste Pferd in der Siegerliste und stieg nach dem Aufbaustart in Hoppegarten und Umzug nach Frankreich zum weltbesten Rennpferd seiner Zeit auf. Da entschädigte die Klasse für fehlende Masse, denn nur vier Pferde hatten die Startboxen bezogen. Aber der Zweitplazierte SOLDIER HOLLOW adelte die Partie ebenfalls und machte es ebenso wie der Engländer BOULE D’OR (Dritter) bis zum Ziel spannend. Heute ist SOLDIER HOLLOW ein gefragter Deckhengst im Gestüt Auenquelle. MANDUROs Trainer Peter Schiergen und das Gestüt Schlenderhan stellten 2006 an KARAVEL die Gewinnerin. Extra eingeflogen wurde der Weltklassejockey Kieren Fallon, der aber alle Register seines Könnens ziehen musste, um mit einem kurzen Kopf SADDEX auf Platz zwei zu verweisen. Die drittplatzierte WALERIA sollte später noch von sich reden machen. Der nächste Stutensieg folgte unmittelbar, ein Rennen, das man auch nie vergessen wird. Unvergesslich natürlich für das Team von Waleria: der als Krebsforscherin tätigen Besitzerin Dr. Dr. Christiane Otto, Trainer Jürgen Gröschel und Jockey Viktor Schulepov. Sehenswert, wie der Reiter sein Pferd von ganz hinten ganz innen immer besser auf Touren brachte und die beiden Schiergen-Vertreter AXXOS (15:10) und dessen, den zum Rennen passenden Namen DAVIDOFF tragenden, Trainingsgefährten abfing. Was Hoppegartens Star ARTAN einst nicht geschafft hatte, gelang nun dessen Tochter. WALERIA beendete mit dieser Glanzleistung und einem GA von 94 kg ihre Laufbahn.

Den „20. Westminster Preis der Deutschen Einheit“ am 3. Oktober 2010 sicherte sich mit dem Hengst RUSSIAN TANGO ein Pferd aus dem Rennstall Darboven des seit Jahrzehnten in der Turfszene etablieren Hamburger Kaffeerösters Albert Darboven. Mit Eduardo Pedroza im Sattel begann für RUSSIAN TANGO 2010 eine erfolgreiche Zeit in Hoppegarten. Das RUSSIAN TANGOS Erfolg 2010 kein Zufalls-Ereignis war, bewies der Fuchs aus Hamburg nur ein Jahr später. Im Jahre 2011 (erneut mit dem populären Eduardo Pedroza im Sattel) besiegte der Wöhler-Schützling mit dem Derbysieger WIENER WALZER aus dem Gestüt Schlenderhan und ZAZOU zwei hocheingeschätzte Teilnehmer. Ein großer Renntag war der 3. Oktober 2012. Es siegte der amtierende Derbysieger PASTORIUS aus dem Stall von Trainer Mario Hofer. Das Pferd und sein Jockey Adrie de Vries mussten allerdings Schwerstarbeit leisten, um die „Pflichtaufgabe“ als 14:10 Favorit gegen den tapferen DURBAN THUNDER zu lösen. RUSSIAN TANGO scheiterte als Vierter am dritten Sieg hintereinander. PASTORIUS Züchter und Besitzer Franz Prinz von Auersperg amüsierte die Besucher beim Sieger-Interview mit bemerkenswerten Details aus dem Leben seiner Vorfahren. Für PASTORIUS folgte im gleichen Jahr ein vierter Platz in den Champion Stakes von Ascot beim letzten Start und Sieg des Weltklassepferdes FRANKEL vor den Augen der Königin von England. Ein Jahr später kam der Sieg im Europa-Gruppe I-Rennen um den Prix Ganay in Paris-Longchamp hinzu. PASTORIUS ist der bislang einzige deutsche Derbysieger in der Siegerliste.

Mit drei Siegen in drei Europa-Gruppe-Rennen in Dortmund, Hamburg und München trat der schon fünfjährige Hengst NEATICO aus dem Gestüt Ittlingen 2013 an. Erneut war Andrasch Starke der Reiter eines überlegenen Siegers, fünf Längen hinter NEATICO (41:10) überraschte der 210:10 Außenseiter DESTOR aus dem Stall von Uwe Stech aus Hoppegarten auf Platz zwei. Es sollte der letzte Sieg von NEATICO sein, was damals niemand ahnte. Züchter und Besitze Manfred Ostermann genoss die Siegerehrung in Formel 1-Manier mit einer Magnum Flasche Champagner.

Bei der 25. Auflage des zum zweiten Mal von pferdewetten.de gesponserten Rennens im Jahre 2015 hieß der Sieger POTEMKIN mit Eduardo Pedroza im Sattel. Für Publikumsliebling Pedroza war es 5. Sieg beim Preis der Deutschen Einheit. Trainer Andreas Wöhler baute mit dem Sieg in 2015 seine imposante Bilanz bei diesem prestigeträchtigen Rennen auf 7 Siege aus.

Die Aufstellung der Sieger im "Preis der Deutschen Einheit" von 1991-2015 finden Sie hier!

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